Instandhaltungsmaßnahmen zur Sicherung des Notwegs am Mittelbergferner - Q&A
Die Bilder der Arbeiten am Mittelbergferner haben in den sozialen Medien große Aufmerksamkeit ausgelöst und Fragen aufgeworfen. Uns ist bewusst, dass Eingriffe in eine Gletscherlandschaft kritisch betrachtet werden und die Aufnahmen bei vielen Menschen Besorgnis hervorgerufen haben.
Zu diesem Thema haben uns Fragen auf verschiedenen Kanälen erreicht, die wir hiermit gebündelt beantworten wollen:
Die aktuellen Arbeiten betreffen die Instandhaltung und Sicherung der bestehenden Notweganlage, die sich noch teilweise auf dem Mittelbergferner befindet. Das Skigebiet Pitztaler Gletscher ist nur durch die Stollenbahn „Gletscherexpress“ erreichbar, bei Ausfall dieser Bahn muss im Ernstfall sichergestellt sein, dass die Besucher sicher ins Tal gelangen können.
Durch den starken Gletscherrückgang haben sich die Geländeverhältnisse im Übergangsbereich im Sommer zwischen Gletschereis und eisfreiem Gelände wieder sehr verändert. Im Bereich der bestehenden Notweganlage sind dadurch offene Stellen und Höhenunterschiede entstanden. Durch die konkreten Arbeiten am Gletschereis soll die Anbindung der bestehenden Wegtrasse an das eisfreie Gelände wiederhergestellt werden, und somit die Benutzbarkeit des Notweges, der unter anderem auch von vielen Skitourengehern, Freeridern und Gästen der Braunschweiger Hütte als Abfahrt ins Tal genutzt wird, sichergestellt werden.
Wir sind uns der ökologischen Auswirkungen solcher Maßnahmen und der damit verbundenen Kritik bewusst. Gleichzeitig müssen wir als Skigebietsbetreiber die Aspekte Sicherheit und Naturschutz sorgfältig gegeneinander abwägen.
Die aktuellen Maßnahmen beschränken sich auf den örtlich begrenzten Bereich, der für die Wiederherstellung der Anbindung der bestehenden Wegtrasse erforderlich ist. Dabei wird Eis lokal umgelagert, um entstandene Löcher zu schließen und einen Übergang zwischen Eis und felsigem Untergrund herzustellen.
Der Gletscher hat sich in den vergangenen Jahren stark zurückgezogen. Dadurch haben sich die natürlichen Geländeverhältnisse im Bereich des Notwegs verändert. Die bestehende Wegtrasse ist im Übergang vom Gletschereis zum eisfreien Gelände nicht mehr in der erforderlichen Weise angebunden. Die aktuellen Arbeiten dienen dazu, diese Anbindung wiederherzustellen und die Notweganlage sicher nutzbar zu halten.
Für die erforderlichen Anpassungen müssen Eis und Gelände im betroffenen Bereich bearbeitet und die entstandenen Höhenunterschiede ausgeglichen werden. Dafür kommt ein Bagger zum Einsatz.
Entscheidend ist, dass die Arbeiten auf den erforderlichen und bewilligten Bereich beschränkt bleiben und die bestehende Notweganlage gesichert wird.
Die Arbeiten dienten der Wiederherstellung der erforderlichen Anbindung der bestehenden Wegtrasse. Die Arbeiten waren innerhalb von 3 Tagen abgeschlossen.
Es handelt sich dabei nicht um die Errichtung einer neuen Skipiste.
Ja. Als mögliche Alternative wurde der bestehende Betriebsweg oberhalb des Gletschers geprüft. Aus mehreren Gründen stellt dieser Fahrweg jedoch keine Alternative dar:
- Beim Betriebsweg handelt es sich um einen einfachen Fahrweg, der durch seine bestehende Breite im Winter durch ein Pistengerät nicht präpariert werden kann.
- Der Fahrweg befindet sich durchgehend am Hang, führt durch mehrere Lawinenstriche und ist damit als Notweg für eine Evakuierung im Ernstfall nicht geeignet.
Würde man den bestehenden Fahrweg breiter ausbauen und mit technischen Vorrichtungen weitestgehend Lawinensicher machen, würde das zu unverhältnismäßig größeren Eingriffen in der Natur führen, als das Baggern auf Eis, das ein Jahr später schon wieder geschmolzen ist.
Für Instandhaltungsmaßnahmen in Gletscherskigebieten braucht man eine behördlich überprüfte Genehmigung, welche vorliegt.
Der Klimawandel ist gerade im Hochgebirge sehr spürbar: Es vollzieht sich durch die enormen Schmelzprozesse der Gletscher eine sehr sichtbare Veränderung der Gebirgslandschaft. Als Gletscherskigebietsbetreiber haben wir jeden Sommer eine Begehung mit der Behörde. Für die Einreichung bei der Behörde wird der Ist-Planstand verwendet und eine 3-Jahresvorschau planlich dargestellt, da allein das Erstellen der Unterlagen, Gutachten und die Zeit der Bewilligung fast ein Jahr dauert und die Instandhaltungsmaßnahmen in den kurzen Sommermonaten nicht immer in einem Jahr zu schaffen sind.
Der Notweg wird im Fachjargon als Anlage bezeichnet. Die aktuellen Arbeiten am Mittelbergferner beziehen sich auf die bestehende Notweganlage. Ein Notweg ist wichtig, damit im Notfall eine sichere Zu- oder Abfahrt im Skigebiet gewährleistet ist – insbesondere dann, wenn reguläre Liftanlagen oder andere Wege nicht genutzt werden können. Er muss auch bei veränderten Gletscherbedingungen nutzbar bleiben, damit im Bedarfsfall eine sichere Verbindung gewährleistet ist.
Nein. Die aktuellen Arbeiten dienen ausschließlich der Sicherung des bestehenden Notwegs.
Der fortschreitende Gletscherrückgang ist eine zentrale Herausforderung für den Betrieb eines Gletscherskigebiets. Bereiche, die früher vergletschert waren, sind heute teilweise eisfrei. Damit verändern sich die Bedingungen für den Skibetrieb. Die Transformation hin zu einem klassischen Winterskigebiet ist durch den Klimawandel bereits im Gange.
Die Talstation unseres Skigebiets liegt auf 2.600 Meter Seehöhe. Die Höhe spricht für uns. Wenn man auch in Zukunft Skifahren ermöglichen möchte, wird dies zunehmend in höher gelegenen Gebieten möglich sein.
Die Notwendigkeit der aktuellen Maßnahmen ergibt sich aus den Veränderungen im Übergangsbereich zwischen Gletschereis und eisfreiem Gelände, was zu Sicherheitsrisiken führt. Durch den Gletscherrückgang hat sich die Situation dort verändert, sodass Anpassungen erforderlich sind, um die Nutzbarkeit des bestehenden Notwegs weiterhin sicherzustellen.
Dass der Weg bei einem Besuch auf den ersten Blick unverändert wirkt, bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch die sicherheitstechnischen Voraussetzungen für die Nutzung im Winter unverändert geblieben sind.
Wir können versichern, dass wir solche Maßnahmen nicht ohne konkreten Anlass setzen, da jede Instandhaltungsmaßnahme auch Geld kostet. Jeder Eingriff in diesem Bereich muss durch die tatsächlichen Gegebenheiten und die betrieblichen Sicherheitsanforderungen begründet sein.
Wenn Kritik sachlich und fair geführt wird, wie es in einer gelebten Demokratie möglich sein muss, handelt es sich hier um unterschiedliche Meinungen und Standpunkte, die offen angesprochen und diskutiert werden können müssen.
Die Bilder der Baggerarbeiten haben eine breite öffentliche Diskussion ausgelöst. Dabei geht es nicht nur um die konkreten Arbeiten am Mittelbergferner, sondern auch um die grundsätzliche Frage, ob Gletscherskigebiete und Wintersport in diesen Höhenlagen eine Zukunft haben.
Wir sehen den Wintersport als wichtigen Bestandteil der regionalen Lebensgrundlage und stehen zu unserer Verantwortung als touristischer Leitbetrieb im Pitztal. Eine grundsätzliche Infragestellung des Gletscherskifahrens sehen wir daher anders. Deshalb setzen wir uns auch mit der langfristigen Zukunft des Skibetriebs und einer nachhaltigen Weiterentwicklung unseres Angebots auseinander.
Wir leben und arbeiten mit der Natur – sie ist unsere Lebensgrundlage, und wir wissen um ihren Wert. Gerade bei unserer täglichen Arbeit erleben wir unmittelbar, wie sich die Gletscher verändern und wie stark sie sich durch den Klimawandel zurückziehen. Auch jener Bereich am Mittelbergferner, der derzeit im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion steht, dürfte klimabedingt bereits in den kommenden zwei Jahren eisfrei sein.
Die aktuellen Arbeiten dienen der Sicherung der bestehenden Notweganlage. Sie sind von der grundsätzlichen Diskussion über die Zukunft des Wintersports zu unterscheiden.
Was wir aber aus der aktuellen Debatte gelernt haben: aktiv kommunizieren, damit keine Vermutungen und falschen Schlüsse gezogen werden.
Wir hoffen, damit die wichtigsten Fragen beantwortet zu haben, das Team der Pitztaler Gletscherbahnen
Sachliche Statements von verschiedenen Stakeholdern
Wenn Kritik sachlich und fair geführt wird, wie es in einer gelebten Demokratie möglich sein muss, darf es verschiedenen Standpunkte und Meinungen geben. Gerne möchten wir die Statements des Alpenvereins und des Tourismusverband Pitztales wiedergeben.
Statement Alpenverein
“So lang es am Gletscher Eis gibt, wird es im Sommer Instandhaltungsmaßnahmen und Baustellen geben müssen”, sagt Benjamin Stern, Raumplanungs- und Naturschutzexperte beim Alpenverein. “Das ist der Preis, den wir zahlen, wenn wir am Gletscher Skifahren wollen, darauf haben wir uns als Gesellschaft geeinigt.” Beim Alpenverein sehe man jedoch jene Pläne und Ideen sehr kritisch, die über das genehmigte Skigebiet hinausgehen.
Statement Tourismusverband Pitztal
33.000 Kilometer für eine Weltcup-Saison. Und die Frage, was Nachhaltigkeit im Wintersport wirklich bedeutet.
Es tut gut, einen derart sachlichen und differenzierten Artikel als „Thema des Tages“ zu unserer Trainingsinfrastruktur im Pitztal zu lesen.
Als eine der ersten Tourismusdestinationen Österreichs, die mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Tourismusregionen ausgezeichnet wurden, ist Nachhaltigkeit für uns kein Schlagwort, sondern ein Anspruch, an dem wir unsere Entscheidungen und Angebote messen.
Dass ein hochspezialisiertes Angebot für eine vergleichsweise kleine Zielgruppe – professionelle Wintersportlerinnen und Wintersportler in der Saisonvorbereitung – derart hohe Wellen schlägt, zeigt vor allem eines: Die Macht der Bilder ist enorm.
Und leider erleben wir immer häufiger, wie schnell daraus Meinungen entstehen, noch bevor Zusammenhänge hinterfragt und Fakten eingeordnet werden. Umso wichtiger ist es, den Blick wieder auf das große Ganze zu richten. Unsere Snowfarming-Loipe und unser Gletscher verfolgen ein gemeinsames Ziel: professionelle Trainingsbedingungen möglichst früh in der Saison und möglichst konzentriert an einem Standort anzubieten.
Denn zur ökologischen Gesamtbilanz gehört nicht nur die Frage, wie eine Trainingsinfrastruktur betrieben wird. Sondern auch, welche Alternativen bestehen: Wie weit müssen Athletinnen und Athleten reisen? Wie oft müssen Trainingslager verlegt werden? Und welcher Ressourcenverbrauch entsteht dadurch?
Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, muss auch diese Fragen stellen.
Das bedeutet nicht, dass unsere Infrastruktur keine ökologischen Auswirkungen hat. Selbstverständlich hat sie diese. Und selbstverständlich müssen wir daran arbeiten, sie so gering wie möglich zu halten. Aber eine isolierte Betrachtung einzelner Bilder oder Maßnahmen wird der Komplexität dieser Frage nicht gerecht.
Nachhaltiger Tourismus und professioneller Wintersport müssen keine Gegensätze sein. Entscheidend ist, dass wir die ökologischen Auswirkungen gesamthaft betrachten, Alternativen ehrlich vergleichen und unsere Angebote kontinuierlich verbessern. Nicht jedes vermeintlich umweltschonende Weglassen ist in der Gesamtbilanz automatisch nachhaltiger. Und nicht jede technische Lösung ist per se ein Widerspruch zum Klimaschutz.
Wir brauchen weniger reflexartige Empörung und mehr faktenbasierte Diskussion. Denn echter Fortschritt entsteht nicht durch einfache Antworten auf komplexe Fragen.
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