Flächennutzung

Die Flächennutzung der Skigebiete Pitztaler Gletscher und Rifflsee umfasst 0,54% des Gemeindegebietes St. Leonhard

Die Gemeinde St. Leonhard hat rund 1.400 Einwohner*innen und ist mit einer Gesamtfläche von 223,53 m2 die drittgrößte Gemeinde Tirols. Von saftig grünen Wiesen bis hinauf ins ewige Eis umfasst das gesamte Pitztal alle Vegetationsstufen der Alpen. Die Fläche die skitechnisch genutzt wird, beträgt 0,54% des gesamten Gemeindegebietes und ist somit auf einen sehr begrenzten Raum konzentriert. „Leere Kilometer“ und somit unnötig erschlossene Flächen in Form von kilometerlangen Ziehwegen gibt es in unseren Gebieten kaum bis gar nicht – die Pisten sind effizient für echtes Skivergnügen angelegt. Es darf nicht vergessen werden, dass Skigebiete insgesamt nur einen sehr kleinen Teil der alpinen Landschaft ausmachen. Im gesamten Alpenraum machen Skipisten nur 0,5% der Fläche aus, in Tirol werden 0,7% für Skiflächen genutzt.

Durch den Klimawandel erleben wir eine erhebliche Gletscherschmelze. Die aktuelle Fläche dürfte schon deutlich unter 400 Quadratkilometern liegen. So verloren allein die 46 Gletscher in der Silvretta (Tirol und Vorarlberg) zwischen den Messungen 2004/2006 und 2017/2018 fast ein Drittel ihrer Fläche. Die 900 Gletscher Österreichs schrumpfen schneller denn je. Bereits vor dem Ende des Sommers 2022 stand fest, dass es 2022 auf manchen Gletschern Negativrekorde geben wird. Die Eisschmelze fällt auch deswegen so enorm aus, weil der Winter und das Frühjahr besonders schneearm waren. Bis zum Ende des Jahrhunderts werden von aktuell 4.000 Gletschern im Alpenraum noch etwa 700 übrig sein, lautet die düstere Prognose der Glaziologin Andrea Fischer von der Akademie der Wissenschaften in Innsbruck. Auch unser Gletscherskigebiet ist vor dem gegenwärtigen Klimawandel nicht verschont. Ein beträchtlicher Anteil der Skiflächen am Pitztaler Gletscher sind nicht mehr auf Gletscher. Skitourismus in zukünftig vielleicht auch einmal „ehemaligen“ Gletschergebieten stuft jedoch auch Glaziologin Andrea Fischer als “nicht von vornherein unvernünftig” ein. Die hochalpine Lage kommt uns zu Gute – es liegt länger und mehr Schnee als in niedrigeren Gebieten. Durch kältere Temperaturen und längere Winter wäre “weniger Energie für die Beschneiung” nötig, führt sie einen konkreten Grund ins Treffen. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet, auch an die kommenden Generationen zu denken. Vor dem Hintergrund des Klimawandels, der bereits heute Auswirkungen auf unseren Skibetrieb hat und uns vor manche Herausforderung stellt, sehen wir es als unsere klare Verantwortung und mit den langfristigen Szenarien zu beschäftigen und auch eine Diversifikation unseres touristischen Angebotes anzudenken. Mittelfristig jedoch, wird ein Skibetrieb auf Grund unserer Höhenlage jedoch noch für viele weitere Jahre möglich sein.

Die archaische alpine Bergwelt des Gletschergebietes zeigt uns Menschen klar die natürlichen Grenzen für eine weitere touristische Erschließung auf. Jegliche Erweiterung von Gletscherskigebieten in Österreich ist nur unter strengen Kriterien möglich. Wenn neue Pisten oder neue Seilbahntrassen errichtet werden, die Flächen in Anspruch nehmen, bedarf dies eines strengen UVP-Verfahrens (UVP ist die Abkürzung für Umweltverträglichkeitsprüfung), innerhalb dessen die Auswirkungen eines Vorhabens auf die Umwelt beschrieben sowie beurteilt werden und auf dessen Basis mittels eines Bescheids über die Genehmigungsfähigkeit des jeweiligen Vorhabens entschieden wird. Da Gletscher als besonders schützenswert qualifiziert werden, sind diese Maßnahmen in jedem Fall und unbeachtlich der in Anspruch genommen Fläche immer UVP-pflichtig.

Die Pitztaler Gletscherbahn ist einer der touristischen Leitbetriebe im Pitztal und maßgeblich dafür verantwortlich, dass Tourismus und Landwirtschaft in einem Hochgebirgstal einen stabilen und wertschöpfenden Lebensraum garantieren. Der Pitztaler Gletscher ist ein hochgelegenes Skigebiet, in dem pro Jahr ca. 250 Skitage stattfinden. Gerade in Zeiten des Klimawandels und aller anderen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, sehen wir es als unsere unternehmerische Pflicht, Optimierungspotenziale zu identifizieren sowie unsere Zukunft aktiv zu gestalten und zu sichern. Gemeinsam mit der Bevölkerung und den touristischen Betrieben des Pitztals wollen wir an einer ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Zukunft unserer Region arbeiten.

2016 wurde bei der zuständigen Behörde das Projekt der „Skigebietserweiterung und – Zusammenschluss Pitztal – Ötztal“ eingereicht. Von Seiten der Standortgemeinde St. Leonhard i. P. gab es 3 einstimmige positive Gemeinderatsbeschlüsse für das Projekt – der letzte einstimmige positive Beschluss war im Mai 2022. Zudem wurde von einigen Gemeinderäten im Juli 2022 eine Volksbefragung über das vorliegende Projekt „Skigebietserweiterung und – Zusammenschluss Pitztal – Ötztal“ initiiert. Diese ging mit knapper Mehrheit gegen das vorliegende Projekt aus. Die Pitztaler Gletscherbahn hat das Befragungsergebnis respektiert und das Verfahren, das 6 Jahre bei der Behörde anhängig war, wurde zurückgezogen bzw. per Bescheid eingestellt. Damit ist dieses große Projekt vom Tisch. In der Zwischenzeit wurden von der Pitztaler Gletscherbahn 10 Millionen Euro in die neuen komfortable Zuggarnituren des Gletscherexpress und den Umbau des Talstationsgebäudes investiert. Weitere alternative Zukunftsvisionen und mögliche Entwicklungsschritte werden mit den Touristikern diskutiert und evaluiert.

Im Herbst 2018 kam der Pitztaler Gletscher unter den Schlagworten „Am Pitztaler Gletscher sprengt man Berge“ in medialen Verruf. Symbolhafte Bilder und Videos, die von diversen Medien verbreitet wurden, taten ihr Übriges dazu. Als Bergbahnbetreiber hat man immer auf die Sicherheit des Gastes zu achten. Auf Grund des zunehmenden Abschmelzens des Gletschers am Skiweg „Hinterer Brunnenkogel“, wurde das Gelände immer schmäler und steiler und wurde zu schmal für eine sichere Pistenpräparierung am Skiweg. Aus sicherheitstechnischen Gründen wurden Baumaßnahmen im Gelände dringend notwendig. Man ging davon aus, dass diese Baumaßnahmen im Rahmen der gesetzlichen Instandhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten ohne Genehmigung möglich wären. Im Zuge der Verbreiterung des Skiweges lösten sich aus dem horizontbildenden Grat viel mehr Gestein als angenommen – in Summe waren es 8500 qm Lockergestein, das bis dahin vom Gletscher und vom Permafrostboden zusammengehalten wurde. Der Vorgang, ebenso wie die Tatsache, dass das Bauvorhaben im Vorfeld nach Ansicht der Landesumweltbehörde genehmigungspflichtig gewesen wäre, sorgte für sehr viel öffentliche Diskussion und Kritik. Das Bauvorhaben wurde gestoppt, die Bahn durfte nicht in Betrieb genommen werden und es wurde ein behördliches Verfahren eingeleitet. Neben einer Verwaltungsstrafe erhielten wir unter Erfüllung zahlreicher Auflagen, wie u.a. einer Blocksteinschlichtung zur Gradwiderherstellung in Richtung des Gipfels, im Februar des Folgejahres wieder die Genehmigung zur skitechnischen Nutzung! Der Vorfall wurde von vielen Medien aufgegriffen und bekannt gemacht. Neben dem Imageverlust hatten wir auf Grund der Sperre für Skifahrer auch einen hohen Umsatzverlust.

Als Pitztaler Gletscher haben wir aus diesem Vorfall unsere Lehren gezogen. Wir haben mit unseren Mitarbeitern die „Causa Skiweg Linker Brunnenkogel“ genauestens analysiert und Schritte gesetzt, um einen Wiederholungsfall tunlichst zu vermeiden.

Bei den Flächen, die wir für unsere beiden Skigebiete am Rifflsee und am Pitztaler Gletscher in Anspruch nehmen, handelt es sich zum Großteil um Pisten – also um unversiegelte Flächen, die nur während der Skisaison genutzt werden. Im Sommer werden die Pistenflächen am Rifflsee zur Almbewirtschaftung durch die Agrargemeinschaft Arzl im Pitztal landwirtschaftlich genutzt. Wo im Winter skigefahren wird, weiden hier im Sommer Kühe, Schafe und Pferde. Gerade in alpinen Regionen ist es wichtig, diese Flächen weiterhin zu bearbeiten, da sonst die Lawinengefahr in dem steilen Gelände beträchtlich zunehmen würde.

Die Faszination des Tourensports hat in den letzten Jahren viele Menschen gepackt und auch wir konnten eine ständig zunehmende Zahl an Ski-Tourengeher*innen beobachten. „Ökologisch gesehen stören sie aber 60-mal mehr Fläche, indem die Skitourengeher*innen Lebensräume durch ihre Anwesenheit belasten. Deshalb ist es wichtig, auch diese Aktivitäten zu bündeln und auf bestimmte Bereiche zu begrenzen.“, erläuterte Ulrike Pröbstl-Haider, Leiterin des Instituts für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung in Wien im Jänner 2021 in einem Interview für die Süddeutsche Zeitung. Es hat so gesehen ökologisch Vorteile, wenn sich zahlreiche Wintersportler*innen auf einer Skipiste zusammenfinden. Es bleiben große Flächen unangetastet und Wildtiere haben ausreichend Ruhezonen. Am Pitztaler Gletscher haben wir – allerdings auch, um den Skifahrer*innen auf unseren Pisten genügend Raum zu geben – als erstes Gletscherskigebiet gemeinsam mit DYNAFIT den Skitourenpark am Pitztaler Gletscher errichtet. Der Tourenpark trägt dazu bei Skitourengeher*innen räumlich zu konzentrieren und den Rest der Landschaft zu entlasten. Das hat auch den Vorteil, dass unerfahrene Alpinisten ihren Sport im gesicherten Skiraum ausüben können.

Die 4 Bereiche unserer Nachhaltigkeit

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